Big Data - Empfehlungen

Handlungsempfehlungen des Zukunftsrats der Bayerischen Wirtschaft

Basierend auf der Studie Big Data im Freistaat Bayern – Chancen und Herausforderungen wendet sich der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft mit konkreten Handlungsempfehlungen an Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Ziel ist es, die Potenziale von Big Data für den Standort Bayern voll auszuschöpfen. Die ausführlichen Handlungsempfehlungen stehen Ihnen hier rechts als PDF zum Herunterladen zur Verfügung.

01.1
Strategische Handlungs­empfehlungen

Strategische Handlungsempfehlungen

Die in Big Data liegenden Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft sind so groß, dass sie eine entscheidende Rolle für die Zukunft unseres Standorts spielen, wenn sie auf anwendungs-und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen treffen.

 

Der Zukunftsrat empfiehlt

Allgemeine Rahmenbedingungen für Big Data in Bayern schaffen
In Bayern müssen flächendeckend hochleistungsfähige Internet­verbindungen mit mindestens 100 Mbit/s zur Verfügung stehen. Ergänzend ist der Ausbau von Glasfaserverbindungen voranzu­treiben. Echtzeitfähigkeit muss bei den Kommunikationswegen Goldstandard werden. Der Freistaat muss seine Strategie Bayern Digital konsequent vorantreiben und um weitere Aspekte ergänzen: So ist für den Bereich Big Data die Bereitstellung sicherer Cloud-Technologien erforderlich

Das Arbeitsrecht muss auf die Anforderungen einer wesentlich flexibleren, weniger orts-und zeitgebundenen und stärker spezialisierten Arbeitswelt 4.0 ausgerichtet werden.

 

Eine Big Data-Strategie entwickeln
Der Staat muss sich eine Big-Data-Strategie geben und auf die­ser Grundlage bei Bedarf die Rahmenbedingungen gestalten, mit denen Wirtschaft und Gesellschaft rechtssicher von den Chan­cen von Big Data profitieren.

 

Ethische und gesellschaftliche Fragen zum Einsatz von Big Data-Technologien diskutieren
Wesentliche Fragen des Big-Data-Einsatzes müssen umfassend diskutiert werden, um die Gesellschaft im Ganzen einzubinden und für diese unausweichlichen neuen Technologien zu gewinnen. Zu den zu debattierenden Fragen zählen neue Geschäftsmodelle, die Verteilung der Verantwortlichkeiten und ethische Aspekte wie die notwendigen Grenzziehungen, etwa im Hinblick auf den Schutz vor Diskriminierung.

Damit diese Debatte zielgerichtet geführt werden kann, müssen Staat, Universitäten und Akademien die Grundlagen schaffen, z. B. mit geeigneten Foren für die Beteiligung aller Wissenschaftsdisziplinen und gesellschaftlichen Gruppen.

 

Bayern als Europäische Big Data-Leitregion platzieren
Der Freistaat muss sich selbst das Ziel setzen, europäische Leit­region für Big Data zu werden, sowohl im Forschungsbereich als auch bei den Anwendungen.

                                                 

01.2
Für Unternehmen

Für Unternehmen

Angesichts der enormen wirtschaftlichen Potenziale sollte jedes bayerische Unternehmen für sich prüfen, ob und wie es die Chancen von Big Data zur Stärkung seiner Wettbewerbsfähigkeit nutzen kann.

 

Der Zukunftsrat empfiehlt

Big Data nutzen und weltweite Spitze anstreben
Die Potenziale von Big Data sollten in den Unternehmen umfas­send gehoben werden: sei es bei der Gestaltung interner Prozes­se, bei der Produktentwicklung oder bei der Umsetzung neuer Geschäftsmodelle. Ziel muss es ferner sein, dass bayerische Unternehmen in neuen und strategisch wichtigen Bereichen, gerade auch bei Angeboten für den Massenmarkt, die Systemführerschaft übernehmen.

 

Eine eigene Datenstrategie für jedes Unternehmen
Jedes Unternehmen sollte sich seine eigene Strategie für den Umgang mit Daten geben. Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme: Welche Daten werden bereits erhoben, welche werden genutzt, welche könnten ohne großen zusätzlichen Aufwand hinzugezogen werden? Ziel ist es auch, schnell und möglichst einfach umsetzbare Optimierungs­potenziale zu entdecken.

Darauf kann dann ein Big-Data-Konzept aufbauen. Dafür analy­siert das Unternehmen, welchen zusätzlichen Nutzen es mit dem Einsatz von Big-Data-Methoden generieren kann, wie groß die rechtlichen Risiken verschiedener Alternativen sind, welche Sicherheitsinteressen gewahrt werden müssen und wie Vertrags­beziehungen gestaltet werden sollen.

 

Datenspezifisches Wissen verbreitern
An den Schlüsselstellen im Unternehmen muss hinsichtlich der Chancen und Herausforderungen durch die Nutzung verschiedenster Daten Wissen aufgebaut werden, insbesondere auch auf Entscheiderebene.

 

Vertrauen in den fairen Umgang mit Daten schaffen
Die Unternehmen sollten bei Kunden und Geschäftspartnern Vertrauen in den verantwortungsvollen Umgang mit Daten schaffen.  Dazu kann eine Mitwirkung an der Entwicklung von Musterfällen beitragen, in denen die Datenverwendung und die entsprechenden Gegenleistungen für bestimmte Anwendungsfälle transparent geregelt werden.  Eine weitere Möglichkeit sind freiwillige Selbstverpflichtungen, vor allem beim Umgang mit personenbezogenen Daten, wie sie beispielsweise im Bereich des automatisierten und vernetzten Fahrens anfallen.


Sich aktiv in die Definition von Schnittstellen und Standards einbringen
Mit eigenen Initiativen zur Definition von Schnittstellen und Stan­dards sowie der Beteiligung in nationalen und internationalen Gremien können Unternehmen eine wesentliche Voraussetzung für die Handlungssicherheit in den Betrieben und die Verbreitung unserer Technologien schaffen.

 

Für einen sicheren, vernetzten Datenaustausch zusammenarbeiten
Unternehmen sollten im Rahmen von Initiativen zusammenarbei­ten, die sich den sicheren Datenaustausch und die einfache Ver­knüpfung von Daten unter gleichzeitiger Wahrung der Kontroll­möglichkeiten über die „eigenen“ Daten zum Ziel setzen.

 

Unterstützung der Unternehmen durch Wirtschaftsorganisationen gewährleisten
Wirtschaftsorganisationen müssen Unternehmen dabei unter­stützen, die Chancen von Big Data zu ergreifen. Das gelingt zum Beispiel mit Leitfäden für die praktische Anwendung oder Platt­formen für die Vernetzung, mit der Verbreitung von Best-Practice-Beispielen oder Unterstützung bei der Aus-und Weiterbildung.

01.3
Für den Standort Bayern

Für den Standort Bayern

Bayern sollte alles dafür tun, um eine internationale Spitzenstel­lung bei Big Data einzunehmen.

 

Der Zukunftsrat empfiehlt

Forschungsstandort Bayern an die internationale Spitze bringen
Bayern ist heute ein aktiver, aber kein herausragender For­schungsstandort im Big-Data-Bereich. Die bisherigen Aktivitäten reichen in der Summe nicht aus, um im globalen Forschungs­wettbewerb ein eigenständiges Profil zu entwickeln. Hier muss umgehend eine Aufholjagd gestartet werden.

  • In einer bayerischen „Forschungsagenda Big Data“ ist aufzu­zeigen, wie die vorhandenen Kompetenzen an den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in den kom­menden Jahren gezielt gestärkt werden können, damit Bayern national wie international zu einem Spitzenstandort wird.
  • Als erste und kurzfristig realisierbare Maßnahmen sollten die vorhandenen wissenschaftlichen Einrichtungen im Freistaat um Big-Data-spezifische Schwerpunkte erweitert werden, also insbesondere das Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B) und das Leibniz Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissen­schaften (LRZ), an dem ein Kompetenzzentrum Big Data einge­richtet werden soll.
  • Die Weiterentwicklung des Forschungsstandorts muss aber perspektivisch deutlich darüber hinausgehen, um der überragenden Bedeutung der entsprechenden technologischen Kompetenzen Rechnung zu tragen.
  • Die Universitäten müssen die Big-Data-Thematik branchenspe­zifisch wie auch branchenübergreifend in den Fokus nehmen und dafür geeignete Professuren schaffen, zuallererst in Leit­domänen wie dem Maschinen-und Fahrzeugbau.
  • Bei der Entwicklung von Forschungsprofilen und Kompetenzen ist eine internationale Ausrichtung zu verfolgen. Ziele müssen eine Vernetzung mit den führenden Forschungseinrichtungen weltweit, strategische Partnerschaften und konkrete gemein­schaftliche Forschungsaktivitäten sein. Von den bayerischen Universitäten kann dabei eine Vorreiterfunktion erwartet werden.
  • Zu einem international sichtbaren Spitzenstandort gehört auch eine erfolgreiche Beteiligung an nationalen, europäischen und internationalen Forschungsprogrammen. Die bayerische Verwaltung ist aufgefordert, bei Bedarf die notwendige administrative Unterstützung bei der Antragstellung zu leisten.
  • In die Forschung müssen auch gesellschaftliche Fragestellungen einbezogen werden.

 

Neu- und Weiterentwicklung von Big Data-Technologien fördern
Für Big Data hat die bisherige Technologieförderung des Frei­staats keinen eigenen Schwerpunkt herausgebildet. Künftig müssen Big-Data-Vorhaben mit einer separaten Förderlinie unterstützt werden und deutlich stärker als bisher zum Zuge kommen.

Leuchtturmprojekte der Staatsregierung in allen bayerischen Schlüsseltechnologien verdeutlichen die Breite der Anwendungsmöglichkeiten und die hohe Bedeutung von Big Data. Auch die internationale Sichtbarkeit wird so erhöht. Neben den Schlüsseltechnologien sollten auch ausgewählte Dienstleistungsbereiche wie die Finanz-und Versicherungswirtschaft berücksichtigt werden.

Zusätzlich sollte das Querschnittsthema Sicherheit – insbesondere auch Datensicherheit – in allen diesen Sparten mit einem Sonderprogramm gefördert werden.Mit Demonstrationsanlagen können die grundsätzliche Funktionsweise und der Nutzen von Big Data verständlich gemacht werden – gerade auch dem Verbraucher, um dessen Daten es oftmals geht.

 

Fachkräfte für Big Data sichern
Um Big-Data-Methoden gewinnbringend einsetzen zu können, sind Fachkräfte und unternehmerische Entscheidungskompetenz erforderlich.

  • Für Unternehmen müssen Aus-und Weiterbildungsangebote die erforderlichen IT-Kenntnisse, das Wissen über Big-Data-Methoden und Einsatzbereiche und die zugehörigen management­spezifischen Qualifikationen vermitteln.
  • An den Universitäten sind neben neu zu schaffenden Professu­ren mit dem Fokus auf Big Data auch Studiengänge so weiter­zuentwickeln, dass die Hochschulen Big-Data-Spezialisten hervorbringen, die neben Informatikkenntnissen beispielsweise auch das Wissen über die umsetzungsrelevanten rechtlichen Rahmenbedingungen mitbringen.
  • Der hohe Nachholbedarf an Experten erfordert auch ausländi­sche Fachkräfte, die für unsere Unternehmen gewonnen werden müssen. Gleichzeitig muss auf diesem Weg die Internationali­sierung vorangebracht werden.

 

Kleine und mittelständische Unternehmen direkt ansprechen und vernetzen
Es wird von entscheidender Bedeutung sein, dass Big Data mög­lichst zügig im bayerischen Mittelstand ankommt.

  • In einem ersten Schritt muss das Bewusstsein für die Potenziale des Big-Data-Einsatzes geweckt werden.
  • Best-Practice-Beispiele spielen eine zentrale Rolle. Big-Data-Anwendungen, deren Nutzen und rechtssichere Umsetzung müssen deshalb aktiv vermarktet werden.
  • Gerade kleine und mittlere Unternehmen müssen die Möglich­keit haben, für sie passende Anwendungen auszuprobieren oder gleichsam in einem Innovations-Shop „von der Stange zu kaufen“.
  •  IT-Unternehmen, die Big-Data-Lösungen anbieten, sind wichtige Multiplikatoren und sollten sich auch als solche verstehen. Für die Vernetzung und für mögliche Kooperationen mit anderen Unternehmen sollten die entsprechenden Angebote bereitstehen.

 

Big Data-Angebote durch Unternehmensgründungen stärken
Gründungen müssen besonders im Big-Data-Bereich, auch durch eine Erweiterung der Ausgründungskultur, gestärkt werden. Da­bei ist es wichtig, den jungen Unternehmen als Ziel mitzugeben, rasch die richtige Größe und Ausbreitung anzustreben, also ihr Geschäftsmodell zu skalieren.

 

Open Data konsequent umsetzen
Der Staat muss die von ihm erhobenen Daten ohne Personenbe­zug öffentlich zugänglich machen, damit sie für Big-Data-Anwendungen genutzt werden können.

 

Gesellschaftliche Folgen der Nutzung von Big Data beobachten und gestalten
Wichtig ist, die Gesellschaft im Ganzen einzubinden und Wege für einen verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Techno­logien aufzuzeigen, der ihren Einsatz beflügelt, statt ihn möglicherweise aufgrund von Unsicherheiten zu bremsen.

01.4
Für den Rechtsrahmen

Für den Rechtsrahmen

Das Recht und die Rechtssicherheit spielen eine zentrale Rolle beim Thema Big Data. Hier sind zahlreiche Fragen noch ungeklärt. Der Gesetzgeber sollte nicht versuchen, sie alle von vornherein zu regeln, sondern sich mit seinen Eingriffen auf das beschränken, was notwendig ist, um einerseits Rechtssicherheit zu schaffen, andererseits aber Raum für die technologische Entwicklung und für vertragliche Ausgestaltungen zu lassen.

 

Der Zukunftsrat empfiehlt

Datenschutz maßvoll modernisieren
Im Bereich des Datenschutzes müssen in erster Linie die Anony­misierung und Pseudonymisierung erleichtert werden, also die Aufhebung oder Lockerung des Personenbezugs der Daten. Im Übrigen ist im Datenschutzrecht vor allem genau zu beobachten, inwieweit das geltende Recht geeignet ist, mit den neuen Sach­verhalten umzugehen und wo von den handelnden Personen überhaupt welches Schutzniveau gewollt ist. Oftmals wird sich eine Lösung auf pragmatischem Weg finden lassen, zum Bei­spiel bei der Einwilligung in künftige Big-Data-Anwendungen, oder über eine angemessene Beweislastverteilung, wenn es um die möglicherweise diskriminierende Wirkung eines Big-Data-Verfahrens geht.

Eine möglichst weitgehende Harmonisierung des Datenschutz­rechts ist gerade wegen des grenzüberschreitenden Charakters von Big Data wünschenswert, darf aber nicht zu einer unange­messenen Absenkung des Schutzes von Persönlichkeitsrechten und Privatsphäre führen.

 

Datenverwertung vorrangig vertraglich gestalten
Im Hinblick auf die Ausgestaltung der wirtschaftlichen Nutzung von Daten liegt die Lösung vorrangig in vertraglichen Gestaltun­gen. Ein neues „Dateneigentum“, analog zum Eigentum an Sachen, muss der Gesetzgeber dafür nicht schaffen. Geklärt werden müssen dagegen Fragen des geistigen Eigentums, zum Beispiel bei der Abgrenzung von menschlichen und maschinellen „Schöp­fungen“ oder beim Schutz von Datenbanken.

 

Datensicherheit in den Mittelpunkt stellen
Im Bereich der Datensicherheit muss der Gesetzgeber handeln, allerdings im engen Zusammenspiel mit Wirtschaft und Wissen­schaft, um rasch praxisgerechte Lösungen zu erreichen. Geklärt werden muss, welches (IT-)Sicherheitsniveau vorgege­ben werden soll, um einerseits Risiken angemessen zu begrenzen, andererseits aber Innovationen nicht im Keim zu ersticken. Eng damit zusammen hängen der Haftungsmaßstab, an dem sich dann das Unternehmen orientieren muss, und die Folgen mögli­cher Pflichtverstöße. Nicht in erster Linie der Gesetzgeber, son­dern die Praxis ist gefordert, wenn es um die Erarbeitung von Sicherheitsstandards für Big Data geht. Leitgedanke sollte dabei immer Security by design sein, also eine Berücksichtigung der Sicherheitsfragen bereits während in der Entwicklungsphase.

Für ein leistungsstarkes Sicherheitskonzept sind positive Anreize zu setzen. Ein IT-Sicherheitssiegel mit freiwilliger Zertifizierung kann hier der richtige Weg sein.